> ein pferd /​ a horse

ein pferd /​ a horse

Par |2018-08-17T07:14:55+00:00 19 juillet 2012|Catégories : Blog|

 

„The well-aimed phrase is a whip
your poem a horse.“

(Michael Donaghy, nach Lu Chi)

 

ist es ein fuchs, ein schim­mel oder rappe,
heng­st oder stute,
was durch den gar­ten trabt und am rha­bar­ber
zugange ist, an der laven­del­staude ?

was dort über die tri­ple­barre
hin­weg­setzt, nur um in der mitte
des schlacht­felds zu lan­den, vor den kar­ren
mit fäs­sern und die gol­dene pyra­mide

aus heu ges­pannt ? das kalt­blut,
das aus bra­bant ein kilo­sch­weres herz
heran­schleppt und das V, den leich­ten pflug
der wildgänse, oder der lip­pi­za­ner, der als schwärze

gebo­ren wird, der über alle fel­der
hin­weg­zutän­zeln weiß und immer weißer,
der zum triumph wird, alle welt ins schach stellt,
blen­dend wie das schnupf­tuch eines kai­sers ?

vers­teht sich : sämt­liche zwei­hun­dert-
undz­weiundfünf­zig kno­chen kannst du noch im schlaf
zusam­men­set­zen, weißt vom huf­tritt,
erkennt­ni­shart, der prä­zi­sion im schweif,

den sche­men, die sich nachts grau­braun
am zaun der weide rei­ben, hü und brr,
hörst das ers­tickte wie­hern in den grä­bern
der pha­rao­nen und ero­be­rer.

und doch bist du jetzt hier, rot wie ein bier-
kut­scher und flu­chend, mit dem zuckerstück
genia­lität in dei­ner tasche und dem tier,
das weder vor geht noch zurück,

nicht rea­giert auf deine gerte
und auch nicht auf die möhre, die am band
vor sei­nen nüs­tern bau­melt wie die kerze
vor der ikone. rühr dich, sag­st du bebend.

es rührt sich nicht. es steht da, sieht ins land.

 

a horse

“The well-aimed phrase is a whip
your poem a horse.”

(Michael Donaghy, after Lu Chi)

 

is it a black, a chest­nut or a gray,
stal­lion or mare,
which tramples the gar­den and makes its way
over the rhu­barb and the laven­der ?

which leaps the triple bar
only to land in the middle
of the bat­tle­field, hit­ched before
the cart with bar­rels and the pyra­mid

gol­den of hay ?  the car­thorse,
which hauls its kilo-hea­vy heart
from bra­bant and the V, light plough
of the wild geese, or the lip­pi­za­ner, born

as a black, which has the wits to mince
from eve­ry field, white and ever whi­ter,
grows into a triumph, che­ck­mates the whole world,
dazz­ling as the hand­ker­chief of an empe­ror ?

let it be unders­tood : all two-hun­dred
and fif­ty-two bones you can com­pose
in sleep, know the hoof­beat,
hard know­ledge, the pre­ci­sion in the tail,

the gray-brown sil­houettes that rub them­selves
at night against the pas­ture fence, haw and gee,
hear the stran­gled whin­ny in the graves
of pha­raohs and of conque­rors.

and yet you are still here, red as a beer-
cab­by and cur­sing, with the sugar stick
brilliance in your pocket and the beast,
which goes nei­ther for­ward nor back,

reacts nei­ther to your whip
nor to the car­rot dan­gling on a string
before its nos­trils like the candle
before an icon.  move, you tell it, trem­bling.

it does not move.  it stands there, looks into the land.

 

(Übersetzung : Danielle Janess und Julian Smith-Newman)
 

X